Das Meridiansystem

Meridiane – das unsichtbare Leitsystem unserer Lebensenergie

 

Das Wort Meridiane entspringt der Nautik. Es bezeichnete Linien, die den Süd- und Nordpol miteinander verbinden und zum Äquator hin als senkrechter Großkreis die Erd- oder Himmelskugel erfassen. Dieser Begriff wurde von europäischen Schiffsärzten aufgegriffen, die sich bei den Handelsbeziehungen zwischen Asien und Europa im 16. Jahrhundert entwickelten. Sie lernten von den Asiaten die Akupunktur als Behandlungsmethode kennen, die dem jahrtausend altem Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entsprungen ist. Da die Verläufe der Energieleitbahnen, auf denen sie die Akupunkturpunkte fanden, viel Ähnlichkeit mit der Schiffsnavigation hatte, gaben sie dieses Linien den Namen Meridiane.
Insgesamt war es für die westliche Naturheilkunde nicht einfach sich das Wissen der alten Chinesen anzueignen. Größter Stolperstein war die Sprache, die in ihrer Gestaltung und Definition derart abstrakt und unverständlich war, dass für das abendländische Verständnis neue Bezeichnungen für die einzelnen Meridiane kreiert werden mussten. Abgesehen von einigen Ausnahmen, wurden sie nach Körperorganen benannt. Nicht zuletzt darum, weil die Energiesysteme auch sehr viel mit dem Organ, nachdem sie benannt wurden, zu tun haben. Schlussendlich wurde dadurch auch eine enge Verankerung mit dem westlichen, schulmedizinischen Wissen möglich.
Die Lehre von den Meridianen
Meridiane stellen eine Verbindung zwischen dem Körper, den Organen und der Psyche her und definieren aus dem asiatischen Naturheilverständnis ein komplexes Leistungssystem, das als Regulator des Gesamtorganismus fungiert. Dieses System funktioniert ähnlich wie ein Staat. Jeder Meridian, dem ein Organ zugeordnet ist, hat eine bestimmt Aufgabe oder Amt zu erfüllen und steht dabei im ständigen Kontakt mit allen anderen Amtsträgern. Ziel dieses ausgewogenen Zusammenspiels ist das Wohl der Gemeinschaft im Staat.
Ganz im Sinne eines berühmten Zitates „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile“, ist der menschliche Körper, ähnlich wie der Aufbau eines Staates, auf das wohlwollende Zusammenspiel der energetischen Prozesse seines Systems angewiesen. Stellen Sie sich nur einmal vor, es gäbe keine Amtsstelle für die Abfallentsorgung. Wir würden im Müll ersticken. Eine ähnliche Funktion wie das Abfuhrwesen im Staat übernimmt der Dickdarm-Meridian. Er entsorgt im sprichwörtlichen Sinne das, was wir nicht mehr brauchen. Er schafft Platz für Neues. Solange es sich um materielle Dinge handelt, ist diese Aufgabe noch einleuchtend. Sich von Gedanken, festgefahrenen Lebensmustern oder hinderlichen Einstellungen zu befreien, ist schon weitaus schwieriger zu verstehen, geschweige denn umzusetzen. Dies könnte bedeuten, sich von lieb gewordenen Gewohnheiten zu trennen oder Abschied zu nehmen. Oft kommen auch Prozesse in Gang, gegen die wir uns nicht wehren können. Nahe Menschen sterben, Kinder verlassen das Elternhaus oder das Älterwerden zeigt uns, dass die einst jungendliche Energie nur noch in der Erinnerung existiert. Sich diesen realen Begebenheiten zu stellen, setzt einen Trauerprozess in Gang, der manchmal sehr schmerzlich ist, im Endeffekt jedoch heilsam. Trauer ist ein Aspekt, der weitgehend vom Partnerorgan des Dickdarms, der Lunge, bewältigt wird.

Energieprozesse in den Meridianen verstehen
Es gibt 12 Meridiane, die jeweils paarweise einander zugeordnet und symmetrisch auf beiden Körperseiten zu finden sind. Zwei weitere, außerordentliche Energieleitbahnen verlaufen jeweils durch den vorderen und hinteren Rumpf und enden im Kopf. Alle Meridiane durchziehen den gesamten menschlichen Körper, ähnlich einer Flusslandschaft mit vielen kleinen Bächen, grossen Strömen und auch Seen. Sobald der Transport von Lebensenergie, zu der auch das Blut und die Körpersäfte zählen, in diesem System nicht mehr frei zirkulieren kann, zuwenig oder zuviel Energie vorhanden ist, führt dies irgendwann zu Beschwerden. Wir werden krank. Um das System am Laufen zu halten müssen wir es pflegen und nähren. Die Energiereserven laden sich schließlich nicht von selbst auf. Eine ausgewogene Ernährung, gesunde Luft und Bewegung sind Energiequellen, die uns körperlich fit machen. Ebenso wichtig ist die Nahrung für unsere Psyche, die wir beispielsweise in einer Arbeit finden, die uns Spaß macht und indem wir wohltuende soziale Kontakte pflegen. Dementsprechend steuern die Meridiane nicht nur die anatomisch-physiologische Prozesse, sondern reagieren auch auf psychische Begebenheiten. Durch die ehrliche Sprache des Körpers geben sie Auskunft darüber, wie Lebensthemen, Gefühle oder soziale Beziehungen unser Dasein beeinflussen. Die Sprache des Körpers zu verstehen ist wahrlich eine Kunst. Den Energiefluss wahrzunehmen und die Zuordnung von Themen daraus ableiten zu können, erfordert Einfühlungsvermögen, Schulung und ein jahrelanges Üben.
Für die Energie, die in den Meridianen zirkuliert, gibt es viele Ausdrücke wie Qi, Chi, Lebensenergie, Pneuma, Orgon (Wilhelm Reich), Bioenergie usw.
Das Qi in den Meridianen verhält sich nach einem vorgezeichneten Rhythmus. Ähnlich wie der Tag in eine helle und eine dunkle Zeit eingeteilt ist oder das Jahr in vier Jahreszeiten, befindet sich ein Organ jeweils zu einer bestimmten Zeit in einem maximalen Leistungszustand. Der Zustand der Energie wird durch Yin- und Yang-Situationen verkörpert. Ziel des energetischen Zusammenspiels ist es, Einklang zwischen den Polen zu schaffen. Um sich vorstellen zu können wie eine absolute Harmonie zwischen den Polen aussehen könnte, stellt man sich am besten einen prallgefüllten Ball vor. Leider bleibt diese Vorstellung für den Menschen ein unerreichbares Ziel. Wir können zwar vorbeugen und viel für unsere Gesundheit tun, aber leichte Ausstülpung oder kleine Risse sind durch die Schwankungen des normalen Lebens nicht zu vermeiden. In jedem Menschen steckt dennoch eine natürliche Heilkraft, die hilft, größere Schäden abzuwenden. Je nach Kondition und Umgang eines Individuums mit sich selbst, entwickelt der Körper Fähigkeiten, sich eigenständig wieder ins Gleichgewicht zu bringen und gestörte Funktionen zu normalisieren. Hier kann Akupunktur und Kräutertherapie helfen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Die Zusammenarbeit ermöglicht darüber hinaus, sich selbst, seinen Körper und dessen Sprache besser zu verstehen. Denn, nur wer sich seiner Ressourcen bewusst ist, kann aktiv und nachhaltig die Prozesse des Lebens beeinflussen.

Das Meridiansystem
Die Anordnung der Leitbahnen wurde nach dem Wissen der TCM festgelegt. Ebenso sind die Parameter, wie sie unsere Lebensenergie verwalten, klar deklariert. Die 12 Hauptmeridiane sind je zur Hälfte in Yin (Speicherorgane) und Yang (Hohlorgane) unterteilt. Hinzu kommen zwei weitere, besondere Gefäße. Sie managen gemeinsam das Gesamtsystem.

Der 1. Manager heißt Lenker- oder Gouverneursgefäß und wacht über die sechs Yang-Meridiane.

Der zweite Chef ist das Zentral- oder Konzeptionsgefäß, dessen Aufgabe es ist, über die sechs Yin-Meridiane zu wachen. Im Weiteren nimmt dieser Meridian Einfluss auf die Genitalorgane.

Die paarweise Zuordnung der Yin- und Yang-Organe
Niere ↔ Blase
Leber ↔ Gallenblase
Herz ↔ Dünndarm
Perikard (Herzbeutel) ↔ Dreifacherwärmer (außerordentliches Organ)
Milz ↔ Magen
Lunge ↔ Dickdarm

Gesetzmäßigkeiten, Aufgaben und Funktionsstörungen in den Meridianen

Jeder Meridian ist der Minister seines Departements und hat als solcher ein strategisches Management entwickelt, um den Aufgaben, die ihm zugewiesen wurden, gerecht zu werden.

Wo sich die Meridiane befinden und wie sich die konzeptionelle Geschäftspolitik der jeweiligen Ämter gestaltet und wie mögliche Störungen das System schwächen, wird in der folgenden Beiträgen  nach und nach erläutert.

 

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